Wenn eine Frau entbindet, kommt es vor allem auf den zeitlichen Ablauf an. Genaue und zeitnahe Laborergebnisse sind für die Versorgung von Müttern unverzichtbar. So ermöglicht es die korrekte Bestimmung der Hämoglobinwerte nach der Geburt den Ärzten, das Ausmaß des Blutverlustes zu beurteilen und schnell zu handeln. Dank standardisierter Verfahren und überprüfter Ergebnisse beruhen solche Entscheidungen auf zuverlässigen Daten.
Muhabbat Azimova, eine leitende Labortechnikerin im Republikanischen Perinatalzentrum in Taschkent, weiß das nur zu gut. Seit 18 Jahren sorgt sie hinter den Kulissen dafür, dass die Ergebnisse lebenswichtiger Tests genau, zeitnah und zuverlässig sind.
„Wenn die Ergebnisse von Bluttests verzögert oder falsch sind, kann das für die Mutter lebensbedrohlich sein“, sagt Muhabbat. „Deshalb ist die Qualität im Labor so wichtig.“
Aus Erfahrung lernen: ein grenzüberschreitender Wissensaustausch
Muhabbat Azimova gehörte zu einer Gruppe usbekischer Laborfachkräfte, die an einer von der WHO geförderten kooperativen Lerninitiative am Nationalen Tuberkulose-Referenzlabor der Kirgisischen Republik teilnahmen. Der Wissensaustausch wurde im Rahmen des gemeinsamen Programms „Jede Mutter und jedes Kind überlebt und gedeiht: Verringerung der vermeidbaren Todesfälle bei Müttern und Neugeborenen in 227 Perinatalzentren in Usbekistan“ organisiert. Im Mittelpunkt der Initiative stehen bewährte Verfahren für Qualitätsmanagementsysteme von Laboren, die sich an internationalen Normen orientieren.
„Die Organisation des Labors, die Aufbewahrungssysteme, die Art und Weise, wie jedes Ergebnis überprüft wurde, bevor es an die Kliniker weitergegeben wird – das alles hat einen starken Eindruck hinterlassen“, erinnert sich Muhabbat. „Mir wurde klar, dass die Gewährleistung von Qualität und die Einführung von Standardregeln und -verfahren sich direkt auf die Verbesserung und die Präzision der Ergebnisse auswirken und so das Leben von Patienten retten können.“

Umsetzung von Lehren in die Praxis
Nach ihrer Rückkehr nach Usbekistan begannen Muhabbat und ihr Team, die gewonnen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Mit fachlicher Unterstützung der WHO führt das klinisch-diagnostische Labor des Republikanischen Perinatalzentrums nun ein Qualitätsmanagementsystem ein. Dazu gehören die Gewährleistung von Biosicherheitsverfahren, die Verbesserung der Dokumentation, die Organisation eines ordnungsgemäßen Umgangs mit Reagenzien und die rechtzeitige Übermittlung von Ergebnissen an die Ärzte.
„Wir haben angefangen, jeden Test und jeden Schichtwechsel zu dokumentieren. Wir haben das Layout des Labors verändert. Und wir haben dafür gesorgt, dass unsere neuen Kollegen verstehen, warum diese Arbeit so wichtig ist“, erzählt Muhabbat.
Investitionen in die Menschen und Aufbau für die Zukunft
Inzwischen setzt sich Muhabbat als Mentorin für jüngere Kollegen für kontinuierliche Weiterbildung und Wissensaustausch ein. Sie betont, wie wichtig es ist, das Personal der mittleren Ebene zu stärken, also Pflegekräfte, Labortechniker und Qualitätsmanager, die bei der Patientenversorgung oft an vorderster Linie stehen.
„Natürlich ist eine gute Ausrüstung wichtig, aber sie reicht nicht aus; die Ausrüstung allein löst keine Probleme. Was wir wirklich brauchen, sind Standardbetriebsverfahren, Systeme für das Ausrüstungsmanagement und Mitarbeiter, die wissen, wie man sie richtig einsetzt“, sagt sie.

Das Projekt
Die WHO setzt sich dafür ein, die Qualität von Labortests zu verbessern und die Fachkräfte in den zentralen und regionalen Krankenhäusern Usbekistans zu stärken. Eine der wichtigsten Initiativen zur Unterstützung dieser Arbeit ist das gemeinsame Programm „Jede Mutter und jedes Kind überlebt und gedeiht: Verringerung der vermeidbaren Todesfälle bei Müttern und Neugeborenen in 227 Perinatalzentren in Usbekistan“, das vom Ishonch Uzbekistan Vision 2030 Fund finanziert und vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) und der WHO durchgeführt wird.
Im Rahmen dieses Projekts unterstützt die WHO das Gesundheitsministerium dabei, die Laborsysteme landesweit durch Verbesserungen in den Bereichen Qualitätsmanagement, Biosicherheit und Kapazitätsaufbau zu stärken. Allein im Rahmen des Projekts Ishonch Uzbekistan Vision 2030 Fund war die WHO bei der Schulung von über 80 Laborfachkräften in ganz Usbekistan behilflich, um die Genauigkeit und Zuverlässigkeit medizinischer Testergebnisse zu verbessern.
Neben der Stärkung der Laborsysteme durch das Projekt Ishonch Uzbekistan Vision 2030 Fund unterstützte die WHO das Gesundheitsministerium auch bei der Überprüfung und Aktualisierung von 43 nationalen klinischen Protokollen gemäß ihren einschlägigen Empfehlungen. Dazu gehören 29 Protokolle im Bereich Geburtshilfe und Gynäkologie, von denen sich zwei auf die Verbesserung des Einsatzes antimikrobieller Mittel in der klinischen Praxis und 14 auf die Neugeborenenversorgung beziehen.
Die aktualisierten und genehmigten Protokolle werden schrittweise durch Schulungen und Kompetenzbildungsmaßnahmen eingeführt, um die Leistungserbringung und die klinische Praxis zu verbessern. Über 200 Ausbilder wurden in wirksamen Technologien für die Perinatalversorgung geschult und werden dieses Wissen im ganzen Land verbreiten.
Diese gemeinsamen Bemühungen bringen Usbekistan einer Zukunft näher, in der keine Mutter und kein Kind zurückgelassen wird, egal wo sie leben.

