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Ausarbeitung des zweiten Europäischen Arbeitsprogramms

Komplexe, miteinander verknüpfte Krisen, die Revolution der künstlichen Intelligenz, alternde Gesellschaften, Einsamkeit, ein schwindendes Vertrauen in Wissenschaft und Behörden: Die Europäische Region der WHO erlebt eine Zeit beispielloser Veränderungen und Turbulenzen.

In Anbetracht dieser nackten Tatsachen haben die WHO und die Mitgliedstaaten in der Europäischen Region in einem ehrgeizigen und spannenden Vorhaben die gesundheitlichen Prioritäten und die gemeinsamen Maßnahmen festgelegt, die erforderlich sind, um in den kommenden Jahren Gesundheit für alle zu ermöglichen, zu fördern und zu schützen und die Gesundheitssysteme auf die langfristigen Chancen und Herausforderungen vorzubereiten.

Das Ergebnis war das zweite Europäische Arbeitsprogramm 2026–2030 (EPW 2).


In einer sich rapide verändernden Welt ist die Förderung der Gesundheit eine kluge Investition – der Schlüssel zur Stärkung des individuellen Wohlergehens, zur Ermöglichung wirtschaftlichen Wohlstands, zum Aufbau der Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften, zur Stärkung der gesellschaftlichen Stabilität und zur Förderung der Solidarität zwischen Nationen.

Im Rahmen des EPW 2 werden wir zusammen mit allen maßgeblichen Interessengruppen in der Gesundheitspolitik eine Strategie entwickeln, mit der Innovationen gefördert werden, Vertrauen in die Gesundheitssysteme geschaffen und sichergestellt wird, dass die gesundheitlichen Prioritäten die Bedürfnisse der eine Milliarde Menschen in unserer Region widerspiegeln.

– Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa

 

Publications

Zweites Europäisches Arbeitsprogramm 2026–2030: „Gemeinsam für mehr Gesundheit“


Das Zweite Europäische Arbeitsprogramm 2026–2030 - logo


Nach der Ernennung von Dr. Hans Henri P. Kluge für eine zweite Amtszeit als WHO-Regionaldirektor für Europa begann die Ausarbeitung des EPW 2.

Seine übergeordnete Zielsetzung bestand und besteht weiterhin darin, die 53 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region in dem Bestreben zu vereinen, eine gesündere, gerechtere und nachhaltigere Zukunft für alle Menschen herbeizuführen.

Dieses gemeinsame Unterfangen erfordert eine ressortübergreifende und grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Menschen, zwischen Patienten und Angehörigen der Gesundheitsberufe.

Im EPW 2 werden die im Vierzehnten Allgemeinen Arbeitsprogramm 2025–2028 vereinbarten globalen gesundheitlichen Prioritäten der WHO auf den Kontext der Europäischen Region abgestimmt und die Maßnahmen zur Verwirklichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung beschleunigt.

Neu aufkommende Themen

In den letzten Jahren haben wir bedeutende Fortschritte im Gesundheitsbereich erreicht. Heute leben die Menschen in der Europäischen Region im Durchschnitt fünf Jahre länger als noch zu Beginn dieses Jahrhunderts. Doch die Europäische Region von heute verändert sich in beispiellosem Tempo, bedingt durch Bevölkerungsalterung, schrumpfende Erwerbsbevölkerung, Klimakrise, Massenmigration, mächtige wirtschaftliche Interessen, soziale Polarisierung, schwindendes Vertrauen in Wissenschaft und Institutionen sowie exponentielle Fortschritte bei den digitalen Technologien.

Gesundheit und gesundheitliche Chancengleichheit reagieren sensibel auf das komplexe Zusammenspiel dieser Megatrends. Sie können zu akuten gesundheitlichen Notlagen, hohen CO2-Emissionen, Bedrohungen für die Cybersicherheit, zunehmenden Ungleichheiten sowie Fehlinformationen und Desinformation beitragen. Gleichzeitig ermöglichen diese Veränderungen jedoch auch Lösungen und Chancen zur Stärkung der Gesundheitssysteme und zur Gewährleistung, dass sie künftige Anforderungen antizipieren und erfüllen können.

Zu den wichtigsten Schwerpunktbereichen des EPW 2, die sich aus der Forschung und dem Dialog mit Ländern und Partnerorganisationen in der Europäischen Region ergeben haben, gehörten:

  • Bewältigung der sprunghaften Zunahme nichtübertragbarer Krankheiten und psychischer Probleme;
  • Bewältigung von demografischen Veränderungen wie Alterung und Migration;
  • Vorbereitung der Gesundheitssysteme auf die Zukunft;
  • Bewältigung der gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels;
  • Förderung von Gesundheitssicherheit.

Diese Herausforderungen können durch den Einsatz digitaler Technologien und Innovationen erfolgreich bewältigt werden, um die Gesundheitssysteme auf ein neues Effizienzniveau zu heben.

Die Ausarbeitung des EPW 2 orientierte sich auch an den vom Regionaldirektor festgelegten Prioritäten. In diesem Zusammenhang hat WHO/Europa eine spezielle Initiative zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen gestartet und setzt sich dafür ein, die Rolle der primären Gesundheitsversorgung aufzuwerten, um die Gesundheitsversorgung für alle zugänglich zu machen und gemeindenah zu gestalten.

Ein kooperativer Prozess

Die Grundprinzipien, die die Entwicklung und Umsetzung des zweiten Europäischen Arbeitsprogramms 2026–2030 (EPW 2) geprägt haben, waren Mitgestaltung, gemeinsame Verantwortung, Anpassung und ein Gleichgewicht zwischen Kontinuität und Innovation. Die Mitgliedstaaten sind Miteigentümer des EPW 2 und haben dessen Prioritäten mitgestaltet.

Zur Steuerung dieses Prozesses benannten die Länder spezielle Ansprechpersonen, und in zwei umfassenden Runden schriftlicher Kommentare gingen mehr als 650 Beiträge ein. Auch der Ständige Ausschuss des Regionalkomitees, das leitende Organ von WHO/Europa, erstattete regelmäßig Rückmeldung, um den Prozess auf Kurs zu halten.

Eine Vielzahl von Partnern – nichtstaatliche und zwischenstaatliche Organisationen und wissenschaftliche Einrichtungen – waren durch eine Reihe von Konsultationen aktiv eingebunden, um ihre Beiträge zu sammeln und gebührend einzubeziehen.

Anhörungen zum EPW 2

WHO/Europa hat im ersten Quartal 2025 eine Reihe von fünf Online-Anhörungen veranstaltet, deren Ergebnisse in das EPW 2 einflossen. Bei den Anhörungen, die allen offenstanden, sollten verschiedene Perspektiven und Vorschläge zur Bewältigung der Megatrends gesammelt werden, die bis zum Jahr 2030 und darüber hinaus die größten Herausforderungen und Chancen für die Gesundheit in der Europäischen Region der WHO darstellen werden.

An den fünf Anhörungen nahmen über 5000 Experten, Entscheidungsträger, Vertreter der Mitgliedstaaten und der Zivilgesellschaft sowie andere an Gesundheitsthemen Interessierte teil. Die Erkenntnisse aus ihren Diskussionen wurden in einem „Zukunftspapier“ festgehalten, das das Grundsatzdokument zum EPW 2 ergänzt.

An das erste Europäische Arbeitsprogramm anknüpfen

Das EPW 2 knüpft an die soliden Fortschritte des ersten Europäischen Arbeitsprogramms 2020–2025 an, das die Gesundheit entlang dreier zentraler Prioritäten vorangebracht hat: Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung, Schutz vor gesundheitlichen Notlagen und Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden. Diese Prioritäten wurden durch vier Flaggschiff-Initiativen ergänzt: das Europäische Bündnis für psychische Gesundheit; Befähigung zu selbstbestimmtem Handeln mit Hilfe digitaler Gesundheitsangebote; die Europäische Impfagenda 2030; und Gesundheitsförderliches Verhalten: Berücksichtigung verhaltensbezogener und kultureller Erkenntnisse.

In einer unabhängigen Evaluation des ersten Europäischen Arbeitsprogramms wurde ermittelt, wie es die zentralen Herausforderungen in Angriff genommen hat, etwa gesundheitliche Ungleichheiten, die Alterung der Bevölkerung und die Folgen der COVID-19-Pandemie. Der Bericht über diese Evaluation steht demnächst bevor. Die ersten Ergebnisse flossen in die Ausarbeitung des EPW 2 ein.

Der Bericht über die Wirkung in den Ländern, in dem Beispiele für Zusammenarbeit aus sämtlichen 53 Ländern der Europäischen Region der WHO präsentiert werden, gibt weitere Einblicke in die Art und Weise, wie WHO/Europa durch die Umsetzung des ersten Europäischen Arbeitsprogramms zur Gesundheitsförderung beigetragen hat.

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