Éliane Fuseau
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Polio veränderte ihre Zukunft: Erinnerung an eine Zeit vor der Impfung

17 April 2026
Éliane Fuseau wurde 1948 in einem kleinen Dorf in Frankreich geboren. Im Alter von drei Jahren erkrankte sie an Poliomyelitis (Kinderlähmung), einer hoch ansteckenden Krankheit, die durch das Poliovirus verursacht wird und hauptsächlich Kinder unter fünf Jahren befällt. Während die meisten Infektionen mit dem Poliovirus asymptomatisch verlaufen, führen andere zu grippeähnlichen Symptomen, auf die innerhalb von Stunden bis Tagen Schwäche und akute schlaffe Lähmungen der Muskeln folgen. Bei Éliane führte die Infektion zu einer Lähmung ihres Beins. 

Damals war Éliane das einzige Kind in ihrem Dorf mit einer Polio-Diagnose und wurde aufgrund der begrenzten medizinischen Möglichkeiten in der Region in ein Kinderkrankenhaus in Tours in Zentralfrankreich geschickt, wo sie drei Monate lang behandelt wurde. 

„Meine Erinnerungen an diese Zeit sind sehr spärlich, aber ich teilte mir ein Zimmer mit einem anderen Mädchen und einer 'eisernen Lunge', für den Fall, dass eine von uns sie brauchen würde.“ 

Bei einigen Polio-Patienten lähmt das Virus die Muskeln, die für die Atmung zuständig sind. Deshalb mussten sie in der Vergangenheit in einem Unterdruck-Beatmungsgerät liegen, das die Form einer großen Röhre hatte, einer „eisernen Lunge“, die eine künstliche Beatmung ermöglichte und Luft in die und aus den Lungen der Patienten presste, die nicht selbst atmen konnten. 

Glücklicherweise musste Éliane die eiserne Lunge nie benutzen. Da sie aber immer noch nicht laufen konnte, wurde sie zusammen mit ihrer Schwester, die an einer Form von Osteoarthritis litt, in eine Rehabilitationsklinik im französischen Baskenland geschickt, mehr als 600 Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt.

Leben im Krankenhaus

Éliane wohnte bis zu ihrem siebten Lebensjahr ganztägig und bis zu ihrem elften Lebensjahr halbtägig im Centre de Herauritz. „Wir waren zehn bis zwölf Kinder in einem großen Raum. Die meisten von uns Kindern in diesem Krankenhaus hatten ein gelähmtes Bein. Ein Mädchen hatte auch gelähmte Arme. Wir hatten Krankenschwestern, die sich um uns kümmerten, und die Leute aus dem Dorf kochten, fertigten die Schuhe an und stellten die Orthesen her.“

Da die Kinder aus ganz Frankreich kamen und Bahnfahren teuer war, sahen viele ihre Eltern nur selten.

„Ich glaube, mein Vater kam in sieben Jahren nur zweimal ins Krankenhaus. Meine Mutter muss ein paar Mal mehr gekommen sein, denn sie hat vor Ort Freunde gefunden“, erinnert sich Éliane. „Es war eine lange Zeit der Trennung, aber die Rehabilitationseinrichtung war wie eine zweite Familie. Wir waren eben in das Dorf eingegliedert.“ 

Ein Foto aus dieser Zeit zeigt Éliane mit Stöcken, schweren Schuhen und einer Schiene am rechten Bein. Sie erinnert sich, dass sie zur Rehabilitation zum Schwimmen ging und Übungen mit einem Seilzugsystem und Sandsäcken machte, um die Muskeln in ihren Gliedmaßen zu stärken. 

„Als wir das Krankenhaus verließen, hatten wir viel an Bewegungsfreiheit gewonnen. Nach ein paar Jahren konnten wir uns alle fortbewegen: mit unseren Beinen, mit Krücken oder im Rollstuhl. Wir konnten alle ein völlig integriertes Leben führen. Es kam nie in Frage, zu Hause zu bleiben.“ 

Eine gemeinsame Kindheit 

Die Ärztin, die das Krankenhaus 1952 eröffnete, Dr. Anne Barriere, war als Kind an Kinderlähmung erkrankt und ging mit Stock. „Sie hat immer gesagt, dass wir uns einfach mehr anstrengen müssen als alle anderen“, erzählt Éliane. „Es war uns vollkommen klar, dass es kein großes Hindernis gab. Wir konnten tun, was wir wollten.“ 

Von Dr. Barriere ermutigt und inspiriert, studierte Éliane anschließend Biochemie und machte Karriere in der Pharmaindustrie. Vor zwei Jahren fand in der Einrichtung, die für Éliane zu einem zweiten Zuhause geworden war, ein Wiedersehen statt. Aus dieser Feier heraus wurde eine Vereinigung ehemaliger Patienten gegründet, damit diese sich treffen und Erinnerungen austauschen können.

Éliane erklärt, dass diese Gruppe ehemaliger Patienten unermüdlich daran arbeitet, im Centre de Herauritz einen Ort zu schaffen, an dem ihre Geschichten über die Kinderlähmung für die kommenden Generationen erzählt werden. 

„Da neue Poliofälle heute so selten sind, ist es sehr wichtig, dass wir unsere damalige Notlage genau dokumentieren, damit die Eltern die Impfung ihrer Kinder nicht vernachlässigen oder gar vergessen.“

„Die meisten von uns sind in den Siebzigern oder Achtzigern und sitzen inzwischen im Rollstuhl. Viele der Helfer, die Sanitäter, Krankenschwestern und Ärzte, sind ebenfalls noch am Leben. Einige arbeiten sogar noch. Meine alte Physiotherapeutin, Cécile Dubois, ist weit über 90 Jahre alt und Mitglied unseres Vereins.“

„Es ist ein so großer Unterschied, ob man einen Impfstoff hat oder nicht. Ich weiß nicht einmal, wie ich das vermitteln soll, wie ich es jemandem verständlich machen kann. Ich würde wahrscheinlich auf alles um mich herum hinweisen: meinen Rollstuhl, den großen, ausgebauten Minibus, den ich fahren muss, all die Komplikationen in meinem Leben. Ich kann mit meiner Behinderung leben, weil ich genug Geld verdiene. Wer kein Geld hat, kann oft nicht einmal sein Haus verlassen.“

Fortschritte im Kampf gegen Polio

In Frankreich begannen Ende der 1950er Jahre groß angelegte Impfkampagnen gegen die Kinderlähmung, sodass alle Generationen seither vor dem Leid von Éliane und ihren Altersgenossen geschützt waren. Weltweit wurden große Fortschritte bei der Eradikation von Polio erzielt, und nur in zwei Ländern ist das Polio-Wildvirus noch endemisch. In der Europäischen Region der WHO wird der poliofreie Status seit 2002 durch eine hohe Durchimpfung, eine laborgestützte Überwachung auf akute schlaffe Lähmungen und eine Umweltüberwachung an ausgewählten Standorten aufrechterhalten. Doch solange das Poliovirus irgendwo auf der Welt zirkuliert, besteht in allen Ländern die Gefahr einer Einschleppung und möglichen Übertragung. 

WHO/Europa arbeitet zusammen mit nationalen Behörden darauf hin, Risiken einzuschätzen, Impflücken zu schließen, Bereitschaftspläne zu unterstützen und auf Nachweise von Poliovirus-Infektionen mit gezielten Impfungen und verstärkter Überwachung zu reagieren, damit jedes Kind geschützt ist und eine Rückkehr der Übertragung verhindert wird.