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Ukraine: Tollwut wird zunehmend zur Bedrohung in Regionen entlang der Frontlinie

5 December 2025
News release
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„Es gibt inzwischen eine Menge streunender Tiere. Sie kommen oft mit Wildtieren in Kontakt , sodass die Gefahr einer Tollwutinfektion drastisch gestiegen ist. Wir versorgen täglich fünf bis zehn Menschen mit Bissen. Manchmal kommen ganze Familien zu uns“, erklärt Dr. Oleksandr Kovalchuk, ein in der Ukraine tätiger orthopädischer Traumatologe.

Seit Beginn des Krieges im Jahr 2022 sind die Frontgebiete der Ukraine zu einem gefährlichen Umfeld für die Ausbreitung der Tollwut geworden, einem der tödlichsten Viren der Welt.

Nach Angaben des Klinikums Balakliya in der Region Charkiw ist die Zahl der Bissfälle um ein Vielfaches gestiegen. Viele Haustiere und Rinder wurden unbeaufsichtigt zurückgelassen, als ihre Besitzer fliehen mussten. Gleichzeitig wandern wilde Tiere – Füchse, Wölfe, Waschbären – aus den Kampfgebieten an sicherere Orte, oft in besiedelte Gebiete.

Wenn Wildtiere in Städte eindringen, greifen sie manchmal unerwartet an, etwa an Tankstellen und sogar in Innenhöfen. Außerdem häufen sich die Fälle, in denen Katzen Kinder und Erwachsene angreifen. Die Kampfhandlungen haben also nicht nur das Leben der Menschen, sondern auch das der Tiere verändert.

„Die Menschen versuchen, streunenden Tieren zu helfen, und bringen sich dadurch in Gefahr“, fügt Dr. Kovalchuk mit Blick auf die Tollwutgefahr entlang der Frontlinie hinzu.

Weniger geimpfte Tiere

Der Krieg hat auch zu einem Rückgang der Impfquoten bei Tieren geführt. In mehreren Gebieten, insbesondere in Wäldern nahe der Frontlinie, ist der physische Zugang eingeschränkt. In diesen Gebieten leben nun große Tierpopulationen.

Maßnahmen zur Prävention und Seuchenbekämpfung wie die Impfung von Tieren und insbesondere die Verteilung von Impfstoffen aus der Luft, sind in diesen Gebieten aufgrund der Sicherheitslage nur begrenzt möglich.

Auch die Tötung von Tieren ist unter dem Kriegsrecht eingeschränkt, um Fehlinterpretationen von Schüssen zu vermeiden.

Impfstoffe bereitstellen und Leben retten

Die Bedrohung ist für alle real. Dr. Kovalchuk erinnert sich an einen Vorfall, bei dem eine tollwütige Katze ein Baby in einem Kinderwagen angegriffen hatte. Die Eltern suchten rasch ärztliche Hilfe und konnten schwerwiegende Folgen vermeiden.

„Sobald das Tollwutvirus das Nervensystem infiziert hat, gibt es keine Heilung mehr. Wenn man sich nicht schnell impfen lässt, bevor die Symptome auftreten, liegt die Sterblichkeitsrate bei 100 %“, erklärt Yuriy Hniedushkin, Leiter der Traumaabteilung des Klinikums Balakliya in der Region Charkiw.

Die Postexpositionsprophylaxe besteht aus einer gründlichen Wundreinigung, einer Reihe von Dosen Tollwutimpfstoff, die unmittelbar nach der Exposition beginnt, und ggf. der Infiltration von Tollwut-Immunglobulinen in und um die Wunde.

Ausreichende Vorräte an Impfstoffen und Immunglobulinen in Krankenhäusern sind daher entscheidend für die Rettung von Menschenleben.

Die WHO leistet der Ukraine weiterhin fachliche Unterstützung und versorgt sie mit den erforderlichen immunbiologischen Produkten. Die Krankenhäuser werden mit Impfstoffen versorgt, die vom WHO-Länderbüro in der Ukraine mit Unterstützung durch das King Salman Humanitarian Aid and Relief Centre geliefert werden.