Der diesjährige Weltgesundheitstag am 7. April 2026 bildet den Auftakt zu einer einjährigen Kampagne, mit der die Bedeutung der wissenschaftlichen Kooperation für die Förderung von Gesundheit, die Rettung von Menschenleben und den gesellschaftlichen Wandel gewürdigt werden soll. Dies umfasst auch, die Wissenschaft zum Schutz der Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und dem Planeten zu nutzen.
Die Gesundheit des Menschen ist untrennbar mit der Gesundheit von Haus- und Wildtieren, Pflanzen und der Umwelt insgesamt verbunden und von dieser abhängig. Dies erfordert einen integrierten Ansatz, um die Gesundheit all dieser Elemente nachhaltig im Gleichgewicht zu halten und zu optimieren – einen sogenannten einheitlichen Gesundheitsansatz (One Health).
„Gesundheitssicherheit beginnt dort, wo Mensch, Tier und Umwelt aufeinandertreffen“, erklärt Dr. Ihor Perehinets, Direktor für Gesundheitssicherheit und gesundheitliche Notlagen in der Europäischen Region bei WHO/Europa. „Die COVID-19-Pandemie hat uns gelehrt, dass es nicht darum geht, ob neue gesundheitliche Bedrohungen auftreten werden, sondern wann. Der Schutz der menschlichen Gesundheit erfordert daher die Stärkung aller lebenserhaltenden Systeme, unter anderem durch die Einbeziehung von Natur und Biodiversität in die Gesundheitspolitik und durch Investitionen in Labore zur Krankheitsüberwachung. Jedes Jahr analysiert WHO/Europa über 240 000 potenzielle Anzeichen für gesundheitsrelevante Ereignisse, darunter Krankheitsausbrüche in der gesamten Europäischen Region der WHO, und stützt sich dabei auf Daten aus allen 53 Mitgliedstaaten. Wir müssen einen einheitlichen Gesundheitsansatz verfolgen, um künftigen Bedrohungen vorzubeugen und für diese vorzusorgen. Auf diese Weise und durch den Aufbau von Brücken zwischen den verschiedenen Ressorts können wir besser vorbeugen, erkennen, reagieren und bewältigen und gleichzeitig einen widerstandsfähigeren und stärker kooperativen Ansatz zum Schutz der Gesundheit entwickeln.“
Um künftige Pandemien zu verhindern, ist es entscheidend, unser Verständnis der Verknüpfungen zwischen Tier, Mensch und Umwelt zu verbessern. Dies erfordert Kooperation, Koordination, Kommunikation und Kapazitätsaufbau.
Zusammenarbeit im Rahmen des einheitlichen Gesundheitsansatzes
Die WHO arbeitet mit der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) zusammen und bildet so eine Vierer-Koalition für koordinierte Maßnahmen im Rahmen des einheitlichen Gesundheitsansatzes.
In der Praxis bedeutet dies:
- integrierte oder interoperable Überwachungssysteme, die Daten zur Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt miteinander verknüpfen;
- gemeinsame Risikobewertungen zwischen den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft und Umwelt;
- gemeinsame Laborkapazitäten und Meldesysteme;
- koordinierte Untersuchungen von Krankheitsausbrüchen;
- grenzübergreifender Informationsaustausch; und
- die Einbindung von Gemeinschaften in regionale, nationale und internationale Präventions-, Vorsorge- und Reaktionsmaßnahmen.
Kooperationszentren als Schlüssel zu globalem Handeln
Das weltweite Netzwerk der WHO-Kooperationszentren unterstützt die Umsetzung des einheitlichen Gesundheitsansatzes in konkrete Maßnahmen auf Ebene der Länder und der Europäischen Region. Dies erfolgt durch die Stärkung der Evidenzbasis, die Förderung ressortübergreifender Zusammenarbeit und Unterstützung bei der Umsetzung von Strategien auf Grundlage des einheitlichen Gesundheitsansatzes.
Dr. Tony Holohan ist Direktor des Kooperationszentrums am University College Dublin in Irland, dem ersten Kooperationszentrum zum Thema einheitlicher Gesundheitsansatz, das in der Region eingerichtet wurde.
„Der einheitliche Gesundheitsansatz ist wichtig für die Gesundheitssicherheit, und es ist wichtig zu verstehen, inwiefern Bedrohungen für unsere Sicherheit oder unsere Gesundheit aus einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen entstehen können. Entsprechend müssen wir unsere Reaktion auf Grundlage dieses Verständnisses gestalten“, erklärt er.
Er erläutert die Arbeit seines Zentrums. „Unsere Fakultät ist in sieben verschiedene Cluster gegliedert, die Themen wie antimikrobielle Resistenzen (AMR), Pandemievorsorge, Ernährungssicherheit und Ernährungssysteme, Politiksteuerung, Bildung und Kommunikation abdecken – alle mit dem Ziel, das Verständnis für den ressortübergreifenden Charakter vieler Bedrohungen für die menschliche Gesundheit zu verbessern und möglichst viele Menschen in den Dialog einzubeziehen.“
Dr. Holohan veranschaulicht dies anhand der Arbeit des Zentrums zur Bekämpfung von AMR. Er ist der Ansicht, dass das Verständnis darüber, wie Antibiotika bei Menschen und Tieren eingesetzt werden, zwar im Allgemeinen recht gut ist, die Bewältigung des Problems jedoch die Zusammenarbeit vieler unterschiedlicher Disziplinen erfordert.
„Wissenschaftler sind nicht immer so gut darin, wie sie es gerne wären, ihr Wissen in wirksame Maßnahmen umzusetzen – es bedarf einer deutlich breiteren Gemeinschaft von Akteuren, zu der u. a. auch Vertreter der Verhaltenswissenschaften, der Wirtschaftswissenschaften sowie der Künste und der Geisteswissenschaften gehören, damit die Menschen das Problem verstehen und bereit sind, ihr Verhalten zu ändern. Aus diesem Grund entwickeln wir Lehrprogramme wie einen neuen Masterstudiengang zum Thema einheitlicher Gesundheitsansatz und neue Forschungsprogramme und bauen generell Kapazitäten an der gesamten Universität auf, um unsere Fähigkeit zu stärken, diese Probleme auf kohärentere und disziplinübergreifende Weise anzugehen.“
Prof. René S. Hendriksen koordiniert die Arbeit des WHO-Kooperationszentrums für antimikrobielle Resistenz bei durch Lebensmittel übertragenen Erregern und Genomik an der Technischen Universität Dänemark in Kopenhagen. Er leitet ein multidisziplinäres Team, das die Mitgliedstaaten dabei unterstützt, ihre AMR-Surveillance und ihre Kapazitäten zur Ganzgenomsequenzierung zu stärken und dabei Ansätze auf Grundlage des einheitlichen Gesundheitsansatzes einzubeziehen.
„Die Arbeit unseres Zentrums ist fest in den Zielen des einheitlichen Gesundheitsansatzes verankert, da wir anerkennen, dass AMR in allen miteinander verknüpften Systemen der menschlichen Gesundheit, der Tiergesundheit, der Lebensmittelproduktion und der Umwelt entstehen und sich dort ausbreiten“, erklärt er. „Wir arbeiten eng mit der WHO und Behörden in ganz Europa sowie weltweit zusammen; diese Zusammenarbeit ermöglicht es uns, Labormethoden zu harmonisieren, nationale Referenzlabore zu stärken und die Entwicklung interoperabler Überwachungssysteme zu unterstützen, die die tatsächliche Komplexität von AMR widerspiegeln.“
Gemeinsam für die Gesundheit
Die Prävention von und Vorsorge gegen künftige gesundheitliche Bedrohungen erfordert mehr als nur fachliche Lösungen – sie ist abhängig von Vertrauen, Transparenz, Kooperation und der Einbeziehung von Gemeinschaften.
Wie Dr. Holohan betont, bedeutet der Aufbau von Widerstandsfähigkeit, eng mit der Bevölkerung zusammenzuarbeiten, das Verständnis zu stärken und sicherzustellen, dass die Menschen in der Lage sind, wissenschaftlichen Empfehlungen zu folgen.
„Und ohne dieses Vertrauen in die Wissenschaft, ohne dieses Zusammengehörigkeitsgefühl und diese Solidarität können wir die Maßnahmen, von denen wir aufgrund wissenschaftlicher Forschung wissen, dass sie voraussichtlich Wirkung zeigen, nicht wirksam umsetzen“, sagt er.
Ein einheitlicher Gesundheitsansatz vereint diese Elemente und stellt sicher, dass Wissenschaft, Systeme und Gesellschaften gemeinsam zum Schutz der Gesundheit beitragen.

