Entlarvung von Mythen und falschen Vorstellungen über Long COVID

Entlarvung von Mythen und falschen Vorstellungen über Long COVID

30. Januar – 31. März 2026

WHO / Hedinn Halldorsson
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Falsche Vorstellungen über das Post-COVID-19-Syndrom, besser bekannt als Long COVID, behindern nach wie vor Diagnose, Prävention, Behandlung und Rehabilitation. 

Um diese Mythen und Missverständnisse zu entlarven, hat WHO/Europa mit Unterstützung der Europäischen Union im Interesse der Förderung eines wissenschaftlich korrekten Verständnisses acht verbreitete Mythen über Long COVID herausgegriffen und anhand von evidenzbasierten Informationen und echten Patientengeschichten mit widerlegt. Diese Botschaften werden in den sozialen Medien veröffentlicht und können von Einzelpersonen und Organisationen leicht angepasst und weitergegeben werden.

Long COVID umfasst eine Reihe von Symptomen, die mindestens zwei Monate nach einer ersten COVID-19-Infektion fortbestehen und die körperliche, kognitive und psychische Gesundheit und möglicherweise die Funktionsfähigkeit im Alltag sowie die Lebensqualität beeinträchtigen.

Zwar ist die genaue Zahl der Menschen, die mit Long COVID leben, noch ungewiss, doch nach Schätzungen könnten in den ersten drei Jahren der Pandemie (2020–2022) mehr als 36 Mio. Menschen in der Europäischen Region der WHO davon betroffen gewesen sein. Aufgrund der geringeren Zahl der COVID-19-Tests und der uneinheitlichen Überwachung nach 2022 ist die tatsächliche kumulative Zahl wahrscheinlich höher. Trotz seiner großen Verbreitung bleibt Long COVID einer der am meisten missverstandenen Aspekte der Pandemie, und es kursieren online und offline immer noch zahlreiche Mythen und falsche Informationen.

Diese Mythen sind nicht abstrakt. Sie wirken sich darauf aus, ob Menschen geglaubt wird und wie sie diagnostiziert, unterstützt und behandelt werden, und sie vertiefen die Stigmatisierung derjenigen, die bereits mit lebensverändernden Symptomen leben.

Gemeinsam die Dinge richtigstellen

„Diese Initiative ist ein Maßstab für integrierte Risikokommunikation, Bürgerbeteiligung und die aktive Bewältigung einer Infodemie“, sagt Cristiana Salvi, Regionalberaterin für Resilienz und Schutz der Bevölkerung bei WHO/Europa. „In enger Zusammenarbeit mit örtlichen Gruppen und direkt Betroffenen haben wir zunächst einmal zugehört, um die Mythen und Ängste zu verstehen, und sind dann gegen die Fehlinformationen vorgegangen, und zwar mit bewährten Konzepten, die irreführenden Erzählungen entgegenwirken und sie entlarven. Die Risikokommunikation haben wir in echten menschlichen Geschichten verankert, um Vertrauen, Empathie und Verständnis aufzubauen.“

Um die hartnäckigen Mythen über Long COVID zu entkräften, muss man den Stimmen zuhören, auf die es ankommt – den Patienten, dem Gesundheitspersonal und den Vertretern von Organisationen der Zivilgesellschaft und Patientenverbänden. Um diesen Perspektiven mehr Geltung zu verschaffen, hat WHO/Europa eine informelle Arbeitsgruppe Long COVID eingerichtet, die sich aus Vertretern dieser Gruppen zusammensetzt.

Im Rahmen dieses kooperativen Prozesses überprüfte die Gruppe vorhandenes Material der WHO, engagierte Experten und bezog Beiträge von Menschen mit gelebten Erfahrungen ein und ermittelte so die verbreitetsten und schädlichsten Mythen, die nach wie vor im Umlauf sind.



Ein menschliches Gesicht hinter den Zahlen

Hinter jeder Statistik steht ein echter Mensch, der mit den Folgen von Long COVID leben muss.

Sarah aus dem Vereinigten Königreich hat seit Januar 2021 mit der Krankheit zu kämpfen. Sie erzählt: „Mein Leben wurde durch eine unerbittliche Reihe von Verlusten zerstört: mein Gehör, meine Energie, meine Mobilität, meine Karriere als leitende Wissenschaftlerin – und sogar die Fähigkeit zu weinen.“

Fünf Jahre später sind die Herausforderungen nach wie vor erheblich. „Die Bewältigung des Alltags hängt von einer sorgfältigen Zeiteinteilung, einer strikten Begrenzung des Energieverbrauchs und der Bereitschaft ab, Pläne kurzfristig abzusagen, wenn die Symptome aufflammen“, sagt sie. Trotz Medikamenten bleiben Müdigkeit, die Schmerzen in der Brust und die kognitiven Schwierigkeiten bestehen.

Sarahs Geschichte unterstreicht, warum es so wichtig ist, gegen Mythen und falsche Informationen anzukämpfen: Long COVID ist real, komplex und lebensverändernd. Ein besseres Verständnis der Krankheit ist unbedingt erforderlich, um der Stigmatisierung entgegenzuwirken und die Betroffenen zu unterstützen.

Die Serie zur Entlarvung von Mythen über Long COVID, die sich an bewährten Verfahren der Risikokommunikation aus aller Welt orientiert, wurde entwickelt, um die realen Erfahrungen von Patienten widerzuspiegeln, evidenzbasierte Fakten zu vermitteln, falsche Vorstellungen auszuräumen und die Bevölkerung mit zuverlässigen Informationen zu versorgen, damit sie fundierte Entscheidungen treffen und Menschen mit Long COVID unterstützen kann.

Die gesammelten sieben Patientengeschichten aus fünf Ländern Europas – Tschechien, Island, Slowenien, Schweiz und Vereinigtes Königreich – wurden mit diesen Mythen verknüpft, um Authentizität zu gewährleisten. Diese Geschichten veranschaulichen die vielfältigen und komplexen Auswirkungen von Long COVID auf Einzelpersonen, machen die Fakten greifbarer und fördern ein tieferes Verständnis und Einfühlungsvermögen.



Das Wahrheit-Sandwich: eine intelligente Art, Mythen zu entlarven

Um Mythen effektiv zu entlarven, verwendet die Serie die Technik des sog. „Wahrheit-Sandwichs“. Jede Entlarvung beginnt mit einer wissenschaftlichen Tatsache über Long COVID, stellt einen schädlichen Mythos vor und verbindet ihn dann mit einer realen Patientengeschichte, bevor dann erklärt wird, warum der Mythos irreführend ist. Sie schließt mit einer weiteren Tatsache, die die zutreffenden Informationen verstärkt. Dieser Ansatz wirkt Fehlinformationen entgegen, fördert kritisches Denken, verringert die Stigmatisierung und stärkt die Empathie gegenüber Patienten mit Long COVID.

Das Format legt den Schwerpunkt auf Klarheit und Engagement, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Botschaften gesehen, verstanden und weitergegeben werden. Die Reihe richtet sich in erster Linie an die breite Öffentlichkeit, an die Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegewesen sowie an Angehörige und Betreuer von Patienten mit Long COVID. Um eine effektive Reichweite zu gewährleisten, wurde gemeinsam mit der informellen Arbeitsgruppe eine Verbreitungsstrategie entwickelt, um die Zielkanäle und -gruppen zu ermitteln.



Inokulation

Inokulation ist eine Möglichkeit, Menschen darauf vorzubereiten, Fehlinformationen und Desinformation zu erkennen und ihnen zu widerstehen, bevor sie sich festsetzen – ähnlich wie eine sanfte Warnung, die uns hilft, innezuhalten und kritisch nachzudenken, wenn wir irreführenden Behauptungen begegnen. Gesundheitsmythen fühlen sich oft einfach, vertraut oder beruhigend an, was es leicht macht, sie zu glauben und weiterzugeben. Manche Mythen setzen sogar auf Angst oder Schuldzuweisungen und vermitteln so ein falsches Gefühl von Sicherheit.

Wenn die Menschen lernen, diese Taktiken zu erkennen, sind sie besser in der Lage innezuhalten, zu hinterfragen und die erhaltenen Informationen kritisch zu bewerten. Dieser Ansatz ermutigt zum Nachdenken statt zur automatischen Akzeptanz von Mythen und trägt so zu einer längerfristigen Widerstandsfähigkeit gegenüber Fehlinformationen und Desinformationskampagnen bei.

 

 

 



Wie Sie sich beteiligen können

Einzelpersonen und Organisationen, die sich mit Long COVID oder resilienten Informationssystemen beschäftigen, tragen ebenfalls dazu bei, korrekte Informationen zu verbreiten, indem sie die Entlarvung der Mythen über Long COVID in den sozialen Medien, bei Gesundheitsanbietern und in lokalen Netzwerken verbreiten. Die umfassende Weitergabe dieser Ressourcen trägt dazu bei, falschen Argumenten entgegenzuwirken und die Stigmatisierung zu bekämpfen, um Menschen zu unterstützen, die mit Long COVID leben.



Kampagnenmaterial